Buttonneunorm

updated:
07 Mai, 2012

Wort zum Monat Mai

Und ich will Euch ein neues Herz und einen neuen Geist in Euch geben und will das steinerne Herz aus Eurem Fleisch wegnehmen und Euch ein fleischernes Herz geben.

Ich will meinen Geist in Euch geben und will solche Leute aus Euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. Hes. 36, 26f.

Veränderung ist möglich

„Das ist mal wieder typisch für Dich.“ „Du änderst Dich wohl nie.“ „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Wir kennen vieler solcher Statements. Oft haben wir sie schon in Blick auf uns selbst gehört. Oft haben wir sie schon über andere ausgesprochen. Manchmal sind es amüsante Züge, die wir bei anderen Menschen feststellen. Meist sind es aber Wesensarten, die uns bei anderen zum Seufzen bringen oder uns manchmal sogar richtig wütend machen. â€žKannst Du nicht einmal Deine

Socken aufräumen.“ „Immer kommst Du zu spät.“ „Du verstehst mich einfach nicht.“

Gerade die Aussicht, dass sich trotz der vielen Ermahnungen beim anderen nichts ändert, macht uns jedoch hoffnungslos.

Da ist es sehr tröstlich, dass uns in den Versen aus dem Buch Hesekiel ein ganz anderer Wind, ein Wind der Veränderung, entgegen weht. Doch, sagt hier Gott, Veränderung ist möglich. Und zwar nicht nur eine oberflächliche Verhaltensänderung, sondern ein Wandel, der bis in die Tiefen unserer Person reicht. Der Kontext unserer Verse zeigt, dass Gott zunächst den Zustand seines Volkes Israel schonungslos beschreibt. Das ganze Tun und Treiben der Israeliten ist verzweifelt böse. Sie haben sich von ihrem Gott ab- und anderen Göttern zugewandt, ihr Lebenswandel ist schlicht mit dem Etikett Unreinheit zu belegen. Und Gott hatte sein Volk die Konsequenzen seines Lebenswandels ausloten lassen: Sie saßen verloren in der Verbannung in Babylon, ohne Hoffnung auf Veränderung. Doch dann ergreift Gott neu die Initiative zugunsten seines Volkes. Nicht weil es das verdient hat, sondern weil Gott, Jahwe, der, der mit und für sein Volk ist, die Ehre seines Namens wieder aufrichten will – und weil er sein Volk liebt. Aus dieser Liebe heraus setzt er zu einer Operation an: Er nimmt das steinerne, das alte, widerspenstige Herz aus ihrem Inneren und pflanzt an diese Stelle ein fleischernes Herz, d.h. ein Herz, das offen ist für ihn. Und er gibt den Israeliten einen neuen Geist, seinen Heiligen Geist, in ihre Personmitte, damit sie ein verändertes Leben führen können. Genau dies kann und will Gott auch in uns heute tun. ER selbst bewirkt durch seinen Geist eine Tiefenverwandlung, sodass wir eben nicht immer die Alten bleiben müssen: Die alten Halunken, die bitteren, zornigen Kritikaster, die von Minderwertigkeit Gepeinigten, die von Begierden Getriebenen, die gefühlskalten Taktiker,die über Leichen gehen. All diese Härte, diese Versteinerungen, diese sündigen Herzenshaltungen nimmt Gott in einer Radikaloperation weg – und er ersetzt sie durch ein Herz, dass offen ist für ihn, das sein Wesen repräsentiert und das in Liebe, Demut und Selbstlosigkeit den Mitmenschen zugewandt ist. Gott bewirkt dieses Wunder durch seinen Heiligen Geist. Deswegen rühmt ihn auch die frühe Kirche als den Creator, als den Schöpfer, als den, der etwas ganz Neues, Unerhofftes hervorbringt, das uns zum Staunen bringt, und betete: Komm, Schöpfer Geist!

Rechnen auch wir heute noch mit diesem schöpferischen Geist, der nicht nur uns, sondern auch den Nächsten, der uns mit seinen Marotten auf die Nerven geht, in den unerwarteten Prozess der Veränderung mit hineinzieht? Feiern wir Pfingsten mit dieser Perspektive der radikalen Neuschöpfungsmöglichkeit durch Gottes Geist? „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung, Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe etwas ganz Neues ist geworden.“ 2.Kor.5,17.

So bekennt es Paulus und proklamiert damit: Veränderung ist möglich – durch Gottes Geist, der uns quasi in Jesus einpflanzt. Lassen wir uns von dieser Zuversicht anstecken?

Ich möchte uns einladen, uns neu darauf einzulassen, Gottes Geist viel mehr zuzutrauen als bisher. Ihn einzulassen in die Tiefenschichten unserer Person, wo wir wissen, dass wir nicht die Alten bleiben dürfen. Unsere Mitchristen und Mitmenschen aus den Schubladen zu befreien, in die wir sie gesperrt haben (So ist er/sie eben.), und von Gott zu erwarten, dass er allen bisherigen Erfahrungen zum Trotz sein Werk der Veränderung an dem anderen tut. Manchmal brauchen wir dabei Geduld: mit uns selbst und mit den anderen. Aber Hoffnung blüht, weil Gott durch seinen Geist schöpferisch am Werk ist.       

 

JS

 


Wort zum Monat April 2012
Von allen guten Geistern verlassen?

Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. ...

Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle Ärgernis nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.35 ...Und wenn ich mit dir sterben müsste, will ich dich nicht verleugnen. Mt.26,31ff 

Ostern ist Offenbarung verborgener Dinge. Zum einen, der Geheimnisse Gottes, der durch scheinbare Niederlage den größten Sieg erringt. Zum anderen die Offenbarung aller menschlichen Abgründe bei Freunden und Feinden Jesu. 

Mehrfach will Jesus seine Jünger auf das Kommende vorbereiten und ihnen damit die Sicherheit geben, dass Gott noch immer der Herr des Geschehens ist, auch wenn das, was geschieht für sie nicht einzuordnen ist. Immer wieder hören sie selektiv. Nur der Tod ihres geliebten Herrn und Meisters kommt bei ihnen an, die Auferstehungsbotschaft wird konsequent überhört.

Die innere Sicherheit mit denen die Jünger Jesus die Treue bis in den Tod schwören ist beeindruckend und bestimmt auch so gemeint. Besonders Petrus hat in seinem Herzen eine klare Entscheidung für Jesus getroffen, die bis in den gemeinsamen Tod reicht. Und doch verleugnet er Jesus im Hof des Hohenpriesters jämmerlich. Wie kam solch ein Umschwung in so kurzer Zeit zustande? War es Angst?

Ich denke nicht. Schließlich hat Petrus seine Bereitschaft für Jesus zu sterben deutlich gezeigt, indem er gegen eine vollkommen überlegene Menge Bewaffneter in Gethsemane das Schwert zog und Malchus das Ohr abhieb. Doch warum verleugnete er Jesus kurze Zeit später?

Dieser Jesus, der dort stand war nicht mehr derselbe, wie sie ihn in drei Jahren Nachfolge kennengelernt hatten. Er ging nicht mehr einfach souverän durch aufgebrachte Mengen hindurch, wie in Nazareth. Er schien nicht mehr das Gespür für den richtigen Zeitpunkt zu haben wie früher: Ein paar Wunder und die ausgesandten Soldaten des Hohenpriesters wurden so nachdenklich, dass sie vergaßen, ihn zu verhaften. Weg war die Aura des Helden, dem scheinbar niemand etwas antun konnte, der in den verzwicktesten Verhörsituationen immer mit einer Gegenfrage konterte, die seine Feinde völlig entwaffnete. Ja, es schien fast, als sei dieser Jesus, den der Vater im Himmel selbst als seinen Sohn bestätigt hatte, selbst von Gott verlassen.

Diese spürbare Gottverlassenheit nahm Petrus allen Mut. Wir erkennen in solchen Situationen, dass unsere menschlichen Qualitäten nur abrufbar sind, wenn wir die bewusste oder unbewusste Bestätigung Gottes spüren. In der Gottverlassenheit schrumpfen wir wieder zu dem, was wir einmal waren- ein Stückchen vergängliche Materie. Erst in der Nähe Gottes werden wir zu dem, was wir zu sein glauben und in Gottes Augen auch sind. Sowenig der schönste und größte Springbrunnen etwas ohne die Pumpe ist, die den Wasserstrahl erzeugt, ist unser Leben mit seinen Qualitäten etwas ohne die Gegenwart Gottes. Diese Lektion mussten und durften die Jünger zu Ostern lernen. Als Jesus am Kreuz hing und laut aufschrie: â€žMein Gott, warum hast du mich verlassen?“, da hatte der Vater ihn real verlassen. Er war dem Satan und allen Feinden Gottes und ihren sadistischen Spielchen schutzlos ausgeliefert. Weil er seit Gethsemane bis zum Kreuz die Gottverlassenheit getragen hat, brauchen wir sie nie mehr zu tragen. Die Strafe, auch die Strafe der Verlassenheit von Gott liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten (Jes.53,5b). Auch in schlimmsten Verfolgungssituationen ist uns Gott besonders nahe. Von Stephanus (Apg7) über Bonhoeffer bis in unsere Zeit ist Gott immer denen besonders nahe, die für ihn leiden oder sterben. Gottverlassenheit braucht niemand mehr auf dieser Erde zu ertragen. Selbst der schlimmste Satanist erlebt noch Gottes Nähe, die ihn zurückgewinnen möchte. Erst in der Ewigkeit wir d es wieder Gottverlassenheit für Menschen, die sich nicht vom Gegenspieler Gottes lösen wollten geben. Darum ist eine wichtige Botschaft von Ostern: Gott verlässt dich nie, auch wenn du es manchmal so empfindest. Jesus hat für dich die Verlassenheit vom Vater ein und für alle Mal getragen. 

A.M.

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